Café Göttlich - Der Himmel auf Erden
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Mo. - Do. 9.00 - 2.00 Uhr
Fr. - Sa. 9.00 - 4.00 Uhr
So. 10.00 - 2.00 Uhr

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Gestern wird sein, was morgen gewesen ist.
Viel Spass!
Alfred kannte Trude ja schon. Der Pawlow-Gründer kam gerne mal nach der Arbeit mit ein paar Freunden in ihren alt-ehrwürdigen „Igel“, um bei einem Gläschen ihres berühmten polnischen Vodkas den Tag ausklingen zu lassen. Also dachte sie sich auch nichts dabei, als an jenem Abend Pawlow-Alfred auftauchte, sich mit einem Freund in die heutige Kuschelecke setzte und heimig-mauschelig zu diskutieren begann. Der Freund war aber kein anderer als Jörg Schmidt, seines Zeichens Gastro-Profi und Gründer der berüchtigten Kleinkunstbühne Fettnäpfchen und Macher einiger Läden, die das beheimateten, was sich selbst später mal Szene nennen sollte. Und dass das, was die beiden da zu bereden hatten, ausgerechnet und speziell mit ihr zu tun hatte, das erfuhr Trude erst am nächsten Abend. Denn da stand Pawlow-Alfred, komisch herausgeputzt und Blumen in der Hand plötzlich vor ihr, Freund Jörg im Schlepptau und ein Angebot in der Tasche. Die beiden wollten doch tatsächlich an ihren Igel! Wie unverfroren! Ihre alte Kneipe aufzugeben, dieser Gedanke war Trude am Beginn jenes Abends Im Frühjahr 1988 fern. So fern vielleicht, wie jener 3. Juni 1954, der Tag, an dem sie ihren Traum wahr gemacht hatte. Mit einem Koffer viel gutem Willen und einer Ausbildung im Gastgewerbe war Trude Geyer nach dem schrecklichen Krieg vom fernen Wien nach Bonn am Rhein gekommen, das kleine Nest das plötzlich Hauptstadt geworden war. Und hier in der Bonner Innenstadt hatte sie das Haus entdeckt, völlig ausgebombt und gerade wieder im Neuaufbau begriffen. Und begriffen hatte auch Trude: das sollte ihr Café sein!

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Und an Improvisationskunst mangelte es der Pionierin nicht: In der winzigen Küche müsste man nur etwas nach oben bauen (lebe hoch drei gab es noch nicht...) und schon waren Clubsandwich und chinesische Reistafel möglich. Für eine Backstube war kein Platz, aber wofür gibt’s Freunde? Ein Brief nach Wien und schon landete auf der Schotterpiste des noch lange unbefestigten Bonner Flughafens nicht nur die Linienmaschine aus Österreich, sondern darin auch die erste original Sachertorte, mitgebracht im Handgepäck der Stewardess, Trudes alter Bekannten: ein Rosinenbomber der Luxusklasse. Trude setzte neue Dimensionen in der Bonner Innenstadt. Das Publikum war begeistert, nicht nur vom Sortiment, auch von den Öffnungszeiten. Denn Trude war unermüdlich. Früh auf den Beinen schmierte sie schon morgens um neun Frühstücksbrötchen, kochte am Mittag und am Abend – ja am Abend ...da gab es den echten polnischen Vodka, für eine Mark das Stück. Nicht ganz billig aber jeden Pfennig wert, Ambrosia der politischen Klasse und Fehlerquelle so mancher DPA-Meldung. Aber so sollte es sein: von morgens bis nachts, Tag und Nacht aktiv, so wie der Igel – und schon hatte das Kind auch einen Namen. Die Polizei nahm es damals nicht so genau, ein großer Vorteil für Trudes Igel, denn vom Eingang brauchte man nur drei mal stolpern und schon saß man im Auto, schließlich war die Fürstenstraße noch befahren und Parkplätze gab es direkt vor der Tür.

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Nur Willy Brandt, der brauchte nicht mal einen Parkplatz. Hatte der Bürgermeister von Berlin einen Termin am Regierungssitz, wusste der Chauffeur schon was kam: Vom Flughafen schnurstracks zu Trude, draußen warten während der Chef drinnen seine zwei drei Canadian Whiskeys gekippt hat und dann ab zu den Gesprächen. Der spätere Kanzler hatte bei Trude nicht nur einen Stein im Brett, sondern auch eine eigene Flasche im Regal, die niemand sonst anrührte. Die guten alten Zeiten waren natürlich längst vorbei. Die Aufbruchsstimmung der Gründerzeit hatten viele andere genutzt und die Café, Kneipen und Gasthäuser waren nur so aus den Boden geschossen, die Fürstenstrasse längst Fußgängerzone und wer will schon den weiten Weg nach Hause torkeln? Und außerdem wird man auch nicht jünger... Aber den Laden abgeben? Da brauchte Trude erstmal einen ihrer polnischen Vodkas! Im Laufe des Abends sollen noch viele mehr geflossen sein und noch heute behaupten einige Beobachter, Alfreds und Jörgs Standfestigkeit in dieser Beziehung habe Trude mindestens genau so überzeugt wie die tollen Ideen und das verführerische Angebot der Jungs. Auf jeden Fall wollte Trude ihren Schatz in guten Händen wissen und da war sie sich bei den beiden sicher. In den folgenden Wochen lief die Planung dann auf Hochtouren: Eine fabulöse Studentenklitsche wollten die beiden schaffen, das war – so nah am Uni-Haupteingang – sicher. Jörg, der Frühaufsteher, war für ein nettes Café, Alfred, die Nachteule, wollte eine handfeste Kneipe. Die Lösung lag irgendwo in der Mitte und so griffen die beiden, von Trude lebhaft applaudiert, deren altes Konzept auf: Tag und Nacht, Licht und Schatten – die Vereinigung aller Gegensätze. Nur der Name fehlte noch, denn Igel, das war einfach zu stachelig und schließlich sollte etwas ganz Neues entstehen. Wieder soll es einer von Trudes polnischen Vodkas wesen sein, der Jörg die Eingebung brachte (wer noch seine Finger im Spiel hatte, sei hier aus Gründen der Pietät verschwiegen...). Es soll heißen, wie es ist: einfach Göttlich! An diesem Abend war die Idee vollendet, etwas großartiges sollte entstehen, es sollte einfach göttlich sein. Jetzt folgten Taten: Raus mit dem alten Mobiliar und gemütliche Bänke zum schwänzen der Uni rein, schnell eine Nachtkonzession beantragt und zum krönenden Schluss: die erste Tasse göttlichen Milchkaffees kreiert, mit Liebe gebrüht, handgeschäumt, riesig groß, oft kopiert und doch nie erreicht! Das war das Erfolgsrezept, als das Göttlich, das einst der Igel gewesen war, am 22.08.1988 zum ersten Mal seine Türen öffnete. Seitdem ist das Göttlich eine Institution und für manche Studenten fast eine vertrautere Alma Mater als die Nahe Uni. Für viele begann hier das Studentendasein mit einem Milchkaffee auf nervösen Magen am ersten Uni Tag und endete mit einem Sekt nach der Diplomprüfung oder der Magisterverleihung. Wie schon 1954 sind wir von neun Uhr morgens bis zwei Uhr nachts für Euch da (am Wochenende sogar länger), wie schon 1988 arbeiten wir ständig daran, mit viel Liebe den besten Milchkaffee für Euch zu bereiten. Und Treue Gäste sind für uns das schönste Geschenk, wie Hedwig Leinen, die an einem kalten Wintertag 1955 vor einem Schneechaos in den Igel flüchtete und dort ihren Ehemann kennen lernte. Zum Dank schneit sie selbst noch manchmal bei uns herein...

Leinen